Attraktivität, d.h. ob eine Person schön ist, ist das erste Merkmal das wir wahrnehmen, wenn wir jemandem begegnen. Dies ist so, weil unsere visuelle Wahrnehmung so weitreichend und relevant für unsere (soziale) Orientierung und (sozialen) Überleben ist.
Attraktivität kann dafür entscheidend sein, ob wir mit jemandem überhaupt in Kontakt treten, genauer gesagt, wir mögen unattraktive Menschen nicht in unsere Nähe haben.
Schönheit hängt mit Symmetrie, Harmonie, ausgewogenen Proportionen und mit dem Goldenen Standard zusammen. Somit ist Schönheit empirisch erfassbar und liegt nicht im Auge des Betrachters und es ist nicht eine Frage des Geschmacks.
Attraktivität löst Bewunderung aus, Unattraktivität finden wir abstoßend.
Bei der Äußerung von Bewunderung respektive Abscheu ist unsere Gesellschaft gespalten: Bewunderung dürfen wir äußern, etwa in Form von Komplimenten; Abscheu oder Ekel darf man nicht äußern. Tut man es doch, riskiert man kritisiert, angegriffen oder gar angezeigt zu werden wegen Shaming, Diskriminierung o.ä. Die Freiheit seine Meinung authentisch zu äußern ist an dem Punkt relativiert.
Unattraktive Menschen nehmen Ihre Unattraktivität nicht wahr. Sie erhalten negative Spiegelung in Form von Hänseleien oder Mobbing und verstehen nicht die Ursache. Unattraktive Menschen haben Schwierigkeiten einen Partner zu finden; haben sie einen Partner gefunden, halten sie an ihr/ihm fest auch, wenn sie unglücklich in der Beziehung sind, aus Angst, dass, wenn sie sich trennen, dann wird es wieder schwierig werden einen anderen Partner zu finden.
Nochmal schwieriger wird es, bei der weiteren Analyse dessen, was Attraktivität und Unattraktivität bedeuten. Da scheinen sich zwei Welten aufzumachen: die Welt der Schönen und die Welt der nicht so schönen.
Sehr schöne Frauen leben oft in einer Welt, die sich von der der meisten anderen unterscheidet. Es geht nicht nur um Vorteile, sondern auch um Probleme. Sie werden oft direkter und extremer behandelt. Sie erhalten mehr Aufmerksamkeit, werden stärker beurteilt und erhalten auch einige Vorteile. Schönheit kann in mancher Hinsicht helfen, in anderer aber schaden.
Niemand ist einer sehr attraktiven Frau gegenüber neutral eingestellt. Manche bewundern sie sofort. Andere mögen sie nicht, selbst ohne sie zu kennen. Beide Reaktionen können auftreten, bevor sie überhaupt ein Wort gesagt hat.
Manche kritisieren sie, um sich selbst zu schützen. Sie sagen vielleicht, sie trage zu viel Make-up oder sei oberflächlich. Das gibt ihnen ein Gefühl der Sicherheit, da es die Wahrscheinlichkeit verringert, später zurückgewiesen zu werden.
Andere stellen sie auf ein Podest und behandeln sie, als wäre sie übermenschlich. In beiden Fällen verlieren die Menschen den Blick für den Menschen hinter dem Aussehen.
Warum das passiert:
1. Vergleich:
Wenn jemand sehr attraktiv aussieht, vergleichen sich andere mit ihr und fühlen sich möglicherweise minderwertig. Das kann Neid oder Abneigung hervorrufen.
2. Projektion:
Menschen projizieren ihre eigenen Ängste oder Wünsche auf sie. Sie halten sie vielleicht für stolz oder kühl, was aber nicht stimmt.
3. Objektifizierung:
Die Gesellschaft misst Schönheit oft höchste Bedeutung bei. Dadurch konzentrieren sich die Menschen nur auf die Merkmalen der Schönheit und reduzieren die Person auf diesen.
4. Zurückweisung:
Manche versuchen, sie zurückzuweisen, bevor sie es kann. Kritik empfinden sie als Schutz.
5. Idealisierung:
Andere stilisieren sie zum Symbol der Perfektion. Doch niemand kann diesem Ideal entsprechen.
Belästigung aufgrund des schönen Aussehens kann verschiedene Formen annehmen, wie zum Beispiel Mobbing, das Hänseleien, Spott oder soziale Ausgrenzung umfassen kann, oder spezifischere Formen der Belästigung, wie sexuelle Belästigung mit unerwünschtem Anstarren oder Kommentaren über das Aussehen. Schönheit kann zwar manchmal als Vorteil wahrgenommen werden, aber auch zu negativen Folgen wie Neid und Diskriminierung führen.
Ich erlebe Attraktivität als ein Resilienzfaktor, i.S.v. man hat so viel Bewunderung und Bestätigung in den Augen seines Gegenübers (angefangen mit den Eltern) gesehen und erfahren, dass man einen starken, stabilen Selbstbild aufgebaut hat. Andererseits hat man so oft Neid erlebt, dass man es gut gelernt hat es zu erkennen und sich davor zu schützen. So erklärt sich auch weshalb schöne Menschen selten psychotherapeutische Hilfe suchen.